AuDHS und PDA verstehen – Wenn Autismus, ADHS und besondere Stressreaktionen zusammenkommen
Manche Kinder zeigen Merkmale von Autismus und ADHS gleichzeitig. Diese Kombination wird häufig als AuDHS bezeichnet (Autismus + ADHS). Zusätzlich können einige Kinder ein sogenanntes PDA-Profil entwickeln (Pathological Demand Avoidance, auf Deutsch oft: ausgeprägte Anforderungsvermeidung). Diese Besonderheiten sind keine Erziehungsprobleme, sondern Ausdruck einer besonderen neurologischen Verarbeitung.
AuDHS – Wenn zwei Welten aufeinandertreffen
Kinder mit AuDHS vereinen Merkmale aus dem Autismus-Spektrum und ADHS. Sie brauchen häufig Struktur und Vorhersehbarkeit, reagieren aber gleichzeitig impulsiv oder suchen Abwechslung. Sie wünschen sich Ruhe, sind aber innerlich oft sehr unruhig. Diese inneren Gegensätze können für das Kind selbst sehr belastend sein.
Typische Merkmale können sein:
- Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Selbstregulation
- Hohe Sensibilität für Reize
- Starkes Bedürfnis nach Sicherheit bei gleichzeitiger Impulsivität
- Emotionale Überforderung
- Wechsel zwischen Rückzug und großer Aktivität
Für Außenstehende wirkt dieses Verhalten manchmal widersprüchlich. Für das Kind ist es jedoch Ausdruck eines ständigen inneren Ungleichgewichts.
PDA – Wenn Anforderungen Angst auslösen
PDA beschreibt ein Profil innerhalb des Autismus-Spektrums, bei dem Kinder sehr stark auf Anforderungen reagieren. Selbst einfache Bitten oder Alltagsaufgaben können intensiven Stress auslösen. Dieser Stress zeigt sich oft durch Verweigerung, Ausweichstrategien, Wutausbrüche oder scheinbare „Opposition“.
Wichtig zu wissen
Kinder mit PDA vermeiden Anforderungen nicht aus Trotz oder Manipulation. Dahinter steckt meist eine tiefe Angst vor Kontrollverlust und Überforderung. Ihr Nervensystem reagiert besonders sensibel auf Druck – selbst auf gut gemeinte Aufforderungen.
Typische Anzeichen für PDA können sein
- Starke Ablehnung von direkten Anweisungen
- Ausweichen, Verhandeln oder Humor als Schutzstrategie
- Emotionale Ausbrüche bei Druck
- Starkes Bedürfnis nach Autonomie
- Schneller Wechsel zwischen Nähe und Abgrenzung
Ursachen und Hintergründe
AuDHS und PDA entstehen durch besondere Entwicklungsprozesse im Gehirn, die überwiegend genetisch bedingt sind. Eltern tragen keine Schuld. Diese Profile sind angeboren und keine Folge von Erziehung, Verwöhnung oder mangelnder Konsequenz.
Viele betroffene Kinder leben dauerhaft in einem Zustand erhöhter innerer Anspannung. Ihr Nervensystem ist schnell im „Alarmmodus“. Was für andere Kinder normal ist, kann für sie emotional und körperlich sehr belastend sein.
Herausforderungen für Familien
Der Alltag mit AuDHS und PDA kann sehr fordernd sein. Klassische Erziehungsstrategien, Belohnungssysteme oder strenge Regeln funktionieren oft nicht – und führen manchmal sogar zu mehr Stress.
Viele Eltern erleben
- Erschöpfung und Hilflosigkeit
- Missverständnisse im Umfeld
- Schuldgefühle oder Zweifel
- Sorge um die Zukunft ihres Kindes
Diese Gefühle sind verständlich. Sie zeigen, wie sehr Eltern sich um ihr Kind bemühen.
Was Kindern mit AuDHS und PDA hilft
Kinder mit diesen Profilen brauchen vor allem Sicherheit, Beziehung und Verständnis. Bewährt haben sich unter anderem:
- Beziehung vor Anforderungen
- Wahlmöglichkeiten statt Befehle
- Flexible Strukturen
- Niedriger Druck
- Gemeinsame Problemlösungen
- Stärkenorientierte Förderung
Ein respektvoller, kooperativer Umgang hilft, Stress zu reduzieren und Vertrauen aufzubauen.
Stärken und Potenziale
Viele Kinder mit AuDHS und PDA besitzen außergewöhnliche Fähigkeiten. Sie sind oft sehr kreativ, sensibel, humorvoll, empathisch und denken ungewöhnlich. Ihre intensive Wahrnehmung ermöglicht ihnen besondere Perspektiven auf die Welt.
Wenn sie sich verstanden fühlen, können sie große innere Stärke entwickeln.