ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurologische Besonderheit, die die Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Aktivitätsregulation betrifft. Sie ist keine Folge von schlechter Erziehung oder mangelnder Disziplin, sondern eine angeborene Form der Gehirnentwicklung, die ein Kind ein Leben lang begleitet.
Kinder mit ADHS nehmen ihre Umwelt oft besonders intensiv wahr. Gedanken, Geräusche, Gefühle und Eindrücke strömen gleichzeitig auf sie ein. Es fällt ihnen schwer, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Viele sind sehr bewegungsfreudig, handeln spontan und reagieren emotional stark.
ADHS zeigt sich bei jedem Kind unterschiedlich. Manche Kinder sind vor allem unaufmerksam und verträumt, andere sehr aktiv und impulsiv, wieder andere zeigen eine Kombination aus beidem. Deshalb wird auch hier von verschiedenen Ausprägungen gesprochen.
Im Alltag kann ADHS für Kinder und Familien herausfordernd sein. Hausaufgaben, Regeln, Wartezeiten oder strukturierte Abläufe kosten oft viel Kraft. Häufig erleben betroffene Kinder Kritik, Missverständnisse oder Ablehnung, obwohl sie sich bemühen. Das kann ihr Selbstwertgefühl belasten. Gleichzeitig besitzen viele Kinder mit ADHS besondere Stärken. Sie sind oft kreativ, begeisterungsfähig, empathisch, ideenreich und denken „außerhalb der Box“. Wenn sie etwas wirklich interessiert, können sie sich mit großer Ausdauer und Leidenschaft damit beschäftigen.
Wissenschaftlich betrachtet entsteht ADHS durch Unterschiede in der Informationsverarbeitung des Gehirns, insbesondere im Bereich der Selbststeuerung und Aufmerksamkeit. Genetische Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle. Eltern tragen keine Schuld an der Entstehung von ADHS.
Für viele Familien ist die Diagnose zunächst mit Erleichterung, aber auch mit Sorgen verbunden. Sie erklärt vieles – und wirft gleichzeitig neue Fragen auf. Doch sie eröffnet auch Wege zu gezielter Unterstützung, individueller Förderung und mehr Verständnis im Alltag. Kinder mit ADHS brauchen vor allem klare Strukturen, verlässliche Beziehungen, positive Rückmeldungen und Menschen, die an sie glauben. Mit Geduld, Wertschätzung und passender Begleitung können sie lernen, mit ihren Besonderheiten umzugehen und ihre Stärken zu nutzen.