Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung

Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung als ein Praxiskonzept für Inklusion

Das Praxiskonzept Inklusion der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung (VBE) zielt darauf ab, eine inklusive Bildungsumgebung zu schaffen, die allen Kindern gerecht wird, unabhängig von ihren sozialen, kulturellen oder individuellen Unterschieden. Dabei steht die Förderung der Chancengleichheit und die Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Diskriminierung im Mittelpunkt.

 

Das Konzept lässt sich in folgenden Schwerpunkten zusammenfassen

  • Vorurteilsbewusstsein entwickeln: Pädagogische Fachkräfte sollen die Fähigkeit entwickeln, eigene Vorurteile zu reflektieren und sich aktiv mit stereotypen Denkmustern auseinanderzusetzen. Ziel ist es, diskriminierende Strukturen zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken.

  • Inklusive Haltung: Inklusion wird als mehrdimensionaler Ansatz verstanden, der nicht nur die Integration von Menschen mit Behinderung umfasst, sondern auch die Auseinandersetzung mit anderen Differenzkategorien wie Geschlecht, Herkunft, sozialer Status, Religion oder sexuelle Orientierung. Die Entwicklung einer inklusiven Haltung ist dabei genauso wichtig wie die konkrete Umsetzung von inklusiven Angeboten.

  • Förderung der Vielfalt: Kinder und Jugendliche sollen in einer Atmosphäre aufwachsen, die ihre Unterschiedlichkeit als Bereicherung betrachtet. Pädagogische Fachkräfte setzen gezielt auf eine vielfältige und differenzierte Wahrnehmung von Kindern und deren Bedürfnissen. Dabei wird ein respektvoller Umgang mit Vielfalt als Lernfeld genutzt.

  • Partizipation und Mitbestimmung: Inklusion bedeutet auch, dass alle Kinder, unabhängig von ihren Voraussetzungen, aktiv an Entscheidungen teilhaben können. Kinder sollen ihre Rechte kennen und selbstbestimmt ihre Lernprozesse mitgestalten können.

  • Differenzierte Förderung: Durch individuelle und angepasste Förderangebote wird auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder eingegangen. Dies kann z.B. durch differenzierte Lernmaterialien oder unterstützende Maßnahmen wie Sprachförderung erfolgen.

  • Kooperative Zusammenarbeit: Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist die Zusammenarbeit mit Eltern, Fachkräften und Institutionen. Eine enge Kooperation sorgt dafür, dass Inklusion nicht nur innerhalb einer Bildungseinrichtung, sondern auch im weiteren sozialen Umfeld der Kinder unterstützt wird.

Das Praxiskonzept der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung fordert ein aktives Engagement aller Beteiligten, um Inklusion als gesellschaftlichen und pädagogischen Wert zu verankern. Es geht darum, Kinder in ihrer gesamten Vielfalt zu akzeptieren und ihnen die bestmöglichen Entwicklungschancen zu bieten.

 

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Das Konzept der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung hebt hervor, dass es eine Illusion ist zu glauben, dass Menschen vollständig vorurteilsfrei sein können. Stattdessen geht es darum, sich der eigenen Vorurteile bewusst zu werden, sie zu erkennen, zu reflektieren und zu verstehen.

 

Vorurteilsbewusst zu handeln bedeutet

  • Selbstreflexion: Pädagogische Fachkräfte und auch Kinder sollen sich ihrer eigenen Vorurteile bewusst werden. Niemand ist völlig frei von Vorurteilen, aber man kann lernen, diese zu erkennen und ihre Entstehung und Funktionsweise zu verstehen.

  • Erkennen von Vorurteilen: Es geht darum, die vorherrschenden gesellschaftlichen Vorurteile zu identifizieren – seien es Stereotype über Herkunft, Geschlecht, soziale Stellung oder andere Merkmale. Diese Vorurteile können sich in unterschiedlichen Formen manifestieren, z.B. in Vorannahmen, die das Verhalten oder die Wahrnehmung von Menschen beeinflussen.

  • Wirkung und Funktion von Vorurteilen verstehen: Vorurteile haben eine spezifische Funktion: Sie vereinfachen die komplexe Welt, indem sie Menschen und Gruppen in bestimmte Kategorien einteilen. Dies hat jedoch auch Auswirkungen, z.B. Diskriminierung oder Ungleichbehandlung. Das Ziel der vorurteilsbewussten Bildung ist es, diese Dynamiken zu durchbrechen.

  • Konsequenzen für das Handeln: Ein zentrales Ziel ist, dass Menschen – insbesondere Pädagogen – ihre eigenen Vorurteile aktiv hinterfragen und sich ihrer Auswirkungen bewusst werden. Dies ermöglicht, vorurteilsbewusster und gerechter zu handeln und somit die Bildungsprozesse inklusiver und gerechter zu gestalten.

  • Förderung eines respektvollen Miteinanders: Die Auseinandersetzung mit Vorurteilen in der Erziehung fördert ein respektvolles und wertschätzendes Miteinander. Kinder lernen, ihre eigenen Vorurteile zu hinterfragen und gleichzeitig die Vielfalt in der Gesellschaft zu schätzen.

Es geht nicht darum, Vorurteile zu verleugnen oder zu ignorieren, sondern darum, sich ihrer bewusst zu werden, sie zu hinterfragen und eine respektvolle, inklusive Haltung zu entwickeln, die eine gerechte und gleichberechtigte Teilnahme aller Menschen an Bildung und Gesellschaft fördert.

 

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Es gibt vier Ziele, die den wesentlichen Rahmen der Voruteilsbewussten Bildung und Erziehung darstellen, um Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen und eine gerechte, diskriminierungsfreie Lernumgebung zu schaffen. Diese Ziele erfordern nicht nur die Umsetzung im pädagogischen Alltag, sondern auch eine systematische Qualitätsentwicklung, die auf verschiedenen Ebenen greift: für Kinder, Fachkräfte, Leitung und Kitaträger.

Hier eine detaillierte Darstellung der vier Ziele und der dazugehörigen Qualitätsansprüche:

 

1. Ziel: Ich-Identität und Bezugsgruppenidentität der Kinder stärken

  • Für Kinder: Kinder sollen ihre individuelle Identität als einzigartig erleben und gleichzeitig eine gesunde Zugehörigkeit zu sozialen und kulturellen Gruppen entwickeln. Dies stärkt das Selbstwertgefühl und fördert das Verständnis für Vielfalt.
  • Für Fachkräfte: Fachkräfte sollten durch ihre pädagogische Praxis das individuelle Selbstbewusstsein der Kinder unterstützen und ein positives Umfeld schaffen, in dem Kinder ihre Identität frei entfalten können. Sie sollen dabei auch die verschiedenen kulturellen, sozialen und familiären Hintergründe der Kinder wertschätzen.
  • Für Leitung: Die Leitung sollte sicherstellen, dass in der Einrichtung ein Klima herrscht, das die Identitätsbildung jedes Kindes fördert. Dies bedeutet, dass die Einrichtung inklusive Angebote und Projekte zur Identitätsstärkung ermöglicht und regelmäßige Fortbildungen für Fachkräfte zu diesem Thema organisiert.
  • Für Kitaträger: Kitaträger sind verantwortlich dafür, dass die Einrichtungen in ihrem Trägernetzwerk alle notwendigen Ressourcen bereitstellen, um die Ich- und Bezugsgruppenidentität der Kinder zu stärken. Dazu gehört auch die Bereitstellung von Materialen und Konzepten, die die Vielfalt in den Gruppen widerspiegeln und stärken.

 

2. Ziel: Erfahrungen mit Vielfalt ermöglichen

  • Für Kinder: Kinder sollen aktiv Erfahrungen mit verschiedenen Kulturen, Lebensrealitäten und sozialen Gruppen machen. Dies fördert das Verständnis für die Vielfalt in der Gesellschaft und hilft den Kindern, Toleranz und Respekt zu entwickeln.
  • Für Fachkräfte: Fachkräfte sollten eine inklusive Atmosphäre schaffen, in der Kinder in Kontakt mit unterschiedlichen kulturellen und sozialen Kontexten kommen. Hierbei ist es wichtig, dass sie unterschiedliche Perspektiven in die Bildungsarbeit einfließen lassen und Kinder aktiv dazu anregen, sich mit Vielfalt auseinanderzusetzen.
  • Für Leitung: Die Leitung sollte sicherstellen, dass die Einrichtung ein breites Spektrum an interkulturellen und vielfältigen Erfahrungen bietet. Hierzu gehört auch die Planung von Projekten, Exkursionen und Aktivitäten, die Kinder in direkten Kontakt mit verschiedenen Lebenswelten bringen.
  • Für Kitaträger: Kitaträger sollten die Fachkräfte mit Materialien und Fortbildungen unterstützen, die eine wertschätzende und differenzierte Auseinandersetzung mit Vielfalt ermöglichen. Außerdem sollten sie Rahmenbedingungen schaffen, die es den Einrichtungen ermöglichen, diversitätsfördernde Projekte umzusetzen.

 

3. Ziel: Kritisches Denken über Einseitigkeiten, Vorurteile und Diskriminierung anregen

  • Für Kinder: Kinder sollen lernen, über gesellschaftliche Einseitigkeiten und Vorurteile nachzudenken und die Auswirkungen von Diskriminierung zu erkennen. Dies fördert eine kritische Haltung und befähigt die Kinder, diese Themen in ihrem Alltag zu hinterfragen.
  • Für Fachkräfte: Fachkräfte müssen in der Lage sein, Vorurteile und Diskriminierung zu erkennen und gezielt mit den Kindern darüber zu sprechen. Sie sollen den Kindern helfen, kritisch zu denken, um eine reflexive Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen und Ungleichheiten zu fördern.
  • Für Leitung: Die Leitung sollte die Fachkräfte darin unterstützen, regelmäßig Reflexions- und Diskussionsräume zu schaffen, in denen diese Themen aufgegriffen werden. Sie sollte zudem sicherstellen, dass in der Einrichtung eine Kultur des offenen Dialogs über Vorurteile und Diskriminierung gepflegt wird.
  • Für Kitaträger: Kitaträger sollten die notwendige Infrastruktur bieten, damit Fachkräfte regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen können, die ihre Kompetenzen in Bezug auf kritisches Denken und die Auseinandersetzung mit Vorurteilen und Diskriminierung stärken. Auch die Bereitstellung von geeigneten Materialien zur Förderung dieser Themen gehört zu den Aufgaben der Träger.

 

4. Ziel: Aktiv gegen Vorurteile und Diskriminierung vorgehen

  • Für Kinder: Kinder sollen lernen, sich aktiv gegen Diskriminierung und Vorurteile einzusetzen. Sie sollen in die Lage versetzt werden, diskriminierendes Verhalten zu erkennen und sich sowohl verbal als auch in ihrem Verhalten für Gerechtigkeit und Gleichbehandlung einzusetzen.
  • Für Fachkräfte: Fachkräfte müssen als Vorbilder agieren und aktiv gegen Diskriminierung und Vorurteile vorgehen. Sie sollen den Kindern nicht nur die nötigen Informationen vermitteln, sondern auch als aktive Unterstützer in Konfliktsituationen fungieren, in denen Diskriminierung oder Vorurteile thematisiert werden.
  • Für Leitung: Die Leitung muss klare Richtlinien und Verhaltenskodizes zur Bekämpfung von Diskriminierung und Vorurteilen in der Einrichtung etablieren. Sie sollte ein konsequentes Vorgehen im Falle von diskriminierendem Verhalten gewährleisten und eine Kultur der Wertschätzung und Gleichbehandlung fördern.
  • Für Kitaträger: Kitaträger sollten eine klare Haltung zur Bekämpfung von Diskriminierung und Vorurteilen formulieren und sicherstellen, dass alle Einrichtungen dieses Prinzip aktiv umsetzen. Dazu gehört auch die Unterstützung von Fachkräften bei der Prävention von Diskriminierung und die Bereitstellung von Materialien und Konzepten, die ein aktives Handeln fördern.

 

Systematische Qualitätsentwicklung

Für die Umsetzung dieser Ziele ist eine kontinuierliche und systematische Qualitätsentwicklung erforderlich. Diese umfasst:

  • Für Kinder: Evaluierung und Dokumentation der Fortschritte der Kinder in Bezug auf die vier Ziele. Regelmäßige Rückmeldungen und Anpassungen der Angebote, um sicherzustellen, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, die gesetzten Ziele zu erreichen.
  • Für Fachkräfte: Fortbildung und Supervision sind notwendig, um Fachkräfte in ihrer Arbeit zu unterstützen und sie für die Herausforderungen der inklusiven Pädagogik zu sensibilisieren. Die Fachkräfte sollten kontinuierlich darin geschult werden, die vier Ziele in ihre Praxis zu integrieren.
  • Für Leitung: Die Leitung muss die Qualität der inklusiven Praxis regelmäßig evaluieren und entsprechende Anpassungen vornehmen. Hierzu gehört auch die Förderung einer partizipativen Kultur, in der alle Beteiligten – Fachkräfte, Eltern und Kinder – aktiv in die Entwicklung der Qualitätsmaßnahmen eingebunden werden.
  • Für Kitaträger: Kitaträger sollten ein Qualitätssicherungssystem entwickeln, das die Implementierung der vier Ziele in allen Einrichtungen gewährleistet. Dies umfasst regelmäßige Audits, die Bereitstellung von Ressourcen und die Sicherstellung einer kontinuierlichen Fortbildung der Fachkräfte.

Insgesamt erfordert die erfolgreiche Umsetzung dieser vier Ziele eine enge Zusammenarbeit auf allen Ebenen – für die Kinder, Fachkräfte, Leitung und Träger. Nur durch eine systematische Qualitätsentwicklung und ein starkes gemeinsames Engagement kann inklusive Pädagogik in der Praxis effektiv und nachhaltig verankert werden.

Weitere Informationen finden Sie unter: 

Fachstelle Kinderwelten für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung im Institut für den Situationsansatz in der Internationalen Akademie Berlin gGmbH www.kinderwelten.net / www.situationsansatz.de

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