Adultismus

Emotionale Gewalt ist uns meist nicht bewusst, da sie sich oft in unserer Alltagssprache versteckt.

Das Konzept des Adultismus wirft ein wichtiges Licht auf die Machtverhältnisse zwischen Erwachsenen und Kindern und zeigt auf, wie alltägliche Kommunikationsweisen und Handlungen diese Machtverhältnisse widerspiegeln und verstärken können.

Adultismus ist die einzige Diskriminierungsform, mit der jeder Mensch in seiner Kindheit und/ oder Jugend Erfahrungen macht.

Ein Beispiel dafür ist der Kosteklecks, bei dem den Kindern ungefragt ein Probierhappen auf den Teller gelegt wird, um dem Kind das Probieren von Essen „nahezulegen“. In noch extremeren Fällen, ist das Kosten sogar mit einer machtvollen Androhung verbunden, wie „wenn du nicht kostest, gibt es auch keinen Nachtisch“. Dieses pädagogische Verhalten kann sich auf Kinder wie folgt auswirken:

 

1. Einschränkung der Autonomie

Wenn Erwachsene entscheiden, was Kinder essen oder nicht essen sollen, wird ihre Fähigkeit zur Selbstbestimmung infrage gestellt. Dies vermittelt implizit, dass ihre Wahrnehmung und Entscheidungsfähigkeit minderwertig oder unwichtig sind.

 

2. Reaktanz und Ablehnung

Kinder, die das Gefühl haben, gedrängt oder gezwungen zu werden, reagieren häufig mit Widerstand. Diese Ablehnung ist eine natürliche Reaktion, um ihre Autonomie und Grenzen zu verteidigen. Essen, das unter Zwang angeboten wird, wird dann oft kategorisch abgelehnt – unabhängig vom Geschmack.

 

3. Verlust von Körperwahrnehmung

Wenn Kinder lernen, die Erwartungen der Erwachsenen über ihre eigenen körperlichen Empfindungen zu stellen, kann dies langfristig zu einer Entfremdung von ihren eigenen Bedürfnissen führen. Sie könnten ihre eigenen Signale – wie Sättigung oder Abneigung – unterdrücken, um Anerkennung zu erhalten oder Konflikte zu vermeiden.

Alternativ Kindern zu zeigen, dass ihre Grenzen respektiert werden, stärkt nicht nur ihr Selbstwertgefühl, sondern auch ihre Fähigkeit, in anderen Lebensbereichen klare Grenzen zu setzen. Es hilft ihnen zu verstehen, dass sie ein Recht auf ihre eigene Meinung und ihre eigenen Entscheidungen haben.

Eine weniger machtvolle, einladende Formulierung könnte wie folgt aussehen:

  • „Ich habe etwas Neues ausprobiert. Möchtest du auch mal probieren?“ 
  • „Das hier schmeckt mir richtig gut! Vielleicht magst du mal testen, ob es dir auch schmeckt?“ 
  • „Du kannst es dir anschauen, riechen oder probieren – wie du möchtest.“

Solche Sätze lassen dem Kind Wahlmöglichkeiten und signalisieren, dass es die Kontrolle über die Situation behält. Der Erwachsene bleibt zwar präsent und gibt Impulse, lässt dem Kind aber Raum für eigene Entscheidungen.

Eine machtvolle Kommunikation wie „Du musst erst probieren!“ hat oft unbeabsichtigte negative Konsequenzen. Der Schlüssel liegt darin, die Autonomie und das Empfinden der Kinder zu respektieren, ihnen Wahlmöglichkeiten zu lassen und dennoch eine wertschätzende Einladung auszusprechen. So wird die Grundlage für eine gesunde Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern geschaffen – eine Beziehung, die auf Vertrauen, Respekt und gegenseitigem Verständnis basiert.

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