Essen ohne Zwang

Essen ohne Zwang

Essen ohne Zwang

Wir sind momentan bei Oma und Opa zu Besuch und werden rund ums Essen sehr verwöhnt. Ich merke jedoch, dass es manchmal auch zu viel des Guten sein kann. Heute hat mein Sohn einen Satz zu mir gesagt, der mich aufhorchen ließ: "Mama ich habe das nur noch aufgegessen, um niemanden zu enttäuschen...". Ich hätte nicht gedacht, dass das bei uns jemals ein Thema wird. Weder mein Mann noch ich, legen Wert darauf, dass aufgegessen wird und bei uns darf jeder so viel oder wenig essen, wie er möchte. Generell sollte kein Kind zum Essen "überredet" oder im schlimmsten Fall "gezwungen" werden. Kostekleckse sind tabu und essen sollte immer auch etwas mit Genuss zu tun haben.

Ich kann mich noch gut an meine Kitazeit erinnern, in der wir ständig Milch mit Pelle trinken mussten, wodurch ich bis heute eine Abneigung gegen pure Milch habe. Überall wo Kinder essen, sollte es für die Erwachsenen die feste Regel geben, dass essen niemals unter Zwang, Belohnung, aus Anstand oder Gefallen erfolgen sollte. Doch warum hat mein Sohn heute so reagiert und diesen Druck verspürt, zu unserem Gefallen aufzuessen?

Er spürt wie groß die Freude seiner Oma ist, uns zu bekochen. Wie sie lobt, wenn alles aufgegessen wird und wie sie sich freut, wenn es uns schmeckt und er merkt auch, wie persönlich sie es nimmt, wenn eben nicht alles aufgegessen wird und sie sich fragt, ob es vielleicht nicht geschmeckt hat. Doch dahinter steckt ihr Bedürfnis und er sollte es nicht zu seiner Aufgabe machen, diesem Bedürfnis zu entsprechen. Ich habe ihm also erklärt, dass ich es toll finde und stolz auf ihn bin, wie sehr er auf seinen Körper hört, wie er spürt wann er satt ist, welches Essen er mag und wann er einfach genug hat und dass, das viel wichtiger ist, als "für jemand anderen aus Gefallen" weiterzuessen. Es ist sein Recht, über sein Essen selber zu bestimmen. Es geht um ihn und seinen Körper, sein Bedürfnis und seine Entscheidung.

Mit seinen fünf Jahren ist es ihm gerade sehr wichtig, allen zu gefallen, zu helfen, zu unterstützen, der Große zu sein, Vorbild zu sein und alles richtig zu machen. Doch das ist ein anderes Thema, dass ich sicher ein anderes Mal aufgreife....

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