Kranke Eltern

Kranke Eltern

Wenn Mama oder Papa plötzlich krank werden

… Plötzlich kommt der Tag, an dem ist alles anders als zuvor. Du fällst von heute auf morgen aus dem Alltag. Gestern noch die Mama, die alles im Blick hatte & sich um alles gekümmert hat. Mitten im Leben stehend, voller Ideen und Tatendrang im Job. Getragen von der Liebe zur Familie, angetrieben von dem Wunsch, die Welt ein bisschen besser zu machen und erfüllt von den wertvollen zwischenmenschlichen Begegnungen im Privaten und im Beruf. 

Heute außer Kraft gesetzt, durch den eigenen Körper. Angewiesen auf Hilfe, Lösungen von Außen und ohne „Kontrolle“ über das, was mit mir geschieht. Es bleibt nur Vertrauen, Hoffnung und Optimismus. 

Seit einem Monat bin ich nun in der Klinik. Es geht langsam bergauf. Die Zeit verfliegt wie im Flug und gleichzeitig ziehen sich die Tage unendlich in die Länge. Sehnsucht erfüllt mein Herz. Ich vermisse meine Familie. Ich muss mich in Geduld üben und die Kontrolle auf allen Ebenen abgeben. Eine ganz neue Erfahrung.

Am Wochenende war der 1. Advent. Weihnachten naht. Wenn ich meine Kinder frage, was sie sich zu Weihnachten wünschen, sagen sie „Mama soll nach Hause kommen.“ 

Es gibt keinen anderen Wunsch.

Am Anfang war es für meine Kinder besonders schwer. Sie haben zu Hause erlebt, welche Schmerzen ich hatte, dass ich mich nicht bewegen konnte. Haben gesehen, wie der Rettungswagen kam und mich abholte. 

Sie haben mich dann nach zwei Wochen Trennung das 1. Mal im Krankenhaus besucht. Am Anfang waren sie sehr angespannt, haben kaum gewagt mit mir zu kuscheln. In ihren kleinen Gesichtern war die Verunsicherung deutlich zu spüren. Ihre Mama, die im Bett liegt, nicht allein aufstehen kann, die irgendwie anders aussieht, blass, krank, älter, angeschlossen an einen Monitor und einem kleinen Schlauch am Arm, um die Medizin zu bekommen. Der Besuch dauerte nur eine knappe Stunde, danach musste ich sie verabschieden. Die Kraft des Tages war erschöpft. 

Da beide in die Schule gehen und der Weg so weit ist, ist ein Besuch nur am Wochenende möglich. Auch wenn es mir von Woche zu Woche besser geht, merke ich ihre zunehmende Traurigkeit.

„Wann kommst du nach Hause?“ „Warum dürfen die anderen Zimmernachbarn nach Hause?“ „Wann sehen wir dich wieder?“

Traurigkeit. Vermissen. Angst. 
Das sind keine Themen, die in die Vorweihnachtszeit gehören. Keine Themen, die für Kinder so präsent sein sollten. Keine Themen, von denen ich jemals gedacht hätte, dass sie uns mit solcher Härte und so plötzlich treffen.

Mein Mann hält den Alltag aufrecht. Organisiert Unterstützung, kauft ein, wäscht, macht Schulbrote, kümmert sich um Hausaufgaben, dekoriert den Garten vorweihnachtlich, macht all das, was ich sonst mache und was am wichtigsten ist, er kümmert sich um die Emotionen. Er tröstet, kuschelt, hält die Wut aus und begleitet sie, spricht über Ängste, macht Quatsch mit den Kindern, spielt mit ihnen, macht Hausaufgaben und ist verfügbar. Ein Kraftakt. Gleichzeitig die eigenen Sorgen im Kopf und die Traurigkeit im Herzen. 

Für uns alle ist das eine ganz neue Situation und auch wenn es gerade unglaublich schwer ist, merke ich jetzt schon, wie wir daran wachsen. Als Familie und jeder einzelne von uns.

 

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Mit Kindern über Krankheit sprechen

Mit Kindern über Krankheiten zu sprechen, erfordert Einfühlungsvermögen, Klarheit und Anpassung an das Alter und die emotionale Reife des Kindes. Es ist gut, wenn ihr euch möglichst schon vorher Gedanken macht, wie ihr mit eurem Kind darüber sprechen könnt, bevor es von sich aus Fragen stellt. 

Überlegt euch, was eurer Kind wissen sollte, abhängig von seinem Alter und seiner Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten.

 

Bei jüngeren Kindern zwischen 2 und 6 Jahren verwendet einfache Worte und konkrete Beispiele. Vermeidet Fachbegriffe, die sie nicht verstehen können.

„Wenn man krank ist, fühlt man sich oft müde oder schwach. Aber die Ärzte helfen uns, wieder gesund zu werden und um rund um die Uhr gut versorgt zu werden, daher ist es wichtig in der Klinik zu sein.“

 

Grundschulkinder zwischen 7 und 12 Jahren
verstehen schon mehr Details. Ihr könnt ihnen erklären, was die Krankheit bedeutet, ohne sie zu überfordern. „Dein Körper funktioniert wie eine Maschine, und manchmal gibt es Teile, die Hilfe brauchen, um wieder gut zu arbeiten.

 

Mit Jugendlichen ab 13+ Jahre sprecht offen über die Krankheit, ihre Auswirkungen und mögliche Behandlungen. Jugendliche schätzen Ehrlichkeit.

Allgemein solltet ihr ehrlich sein. Die Menge der Informationen sollte an das Alter angepasst werden. Kinder merken oft, wenn etwas nicht stimmt, und können verunsichert werden, wenn sie spüren, dass Ihr etwas verschweigt. 

 

Lasst Raum für Gefühle.
Fragt das Kind, wie es sich fühlt, und hört aktiv zu. Ermutige es, Fragen zu stellen, und beantwortet sie ehrlich. Wenn ihr etwas nicht wisst, seid offen: „Das weiß ich im Moment nicht, aber ich kann es herausfinden.“

 

Verwendet Geschichten oder Bilder.
Besonders bei jüngeren Kindern helfen Bücher, Puppen oder Bilder, um Krankheiten zu erklären. Geschichten können komplexe Themen greifbar machen.

„Der Körper ist wie eine Burg, und manchmal greift ein böser Ritter an. Die Medizin wirkt wie ganz viele gute starke Ritter, die uns helfen, die Burg zu verteidigen.“

 

Betont was getan werden kann.
Fokussiert euch auf Hoffnung und Maßnahmen, die ergriffen werden, um die Krankheit zu behandeln oder das Wohlbefinden zu verbessern

„Die Ärzte wissen, wie sie helfen können, und wir tun alles, damit es besser wird. Es ist wichtig, dass sich der Körper jetzt ausruht. Dabei hilft es viel zu schlafen und sich wenig zu bewegen, dass alle Kraft für die Heilung genutzt wird.“ 

 

Versucht Sicherheit auszustrahlen.
Kinder haben oft Angst vor Verlust oder Veränderung. Versichert ihnen, dass sie geliebt und unterstützt werden, egal was passiert.

 

Behaltet Routinen im Alltag möglichst bei.
Versucht den Alltag so normal wie möglich zu gestalten. Routinen geben Kindern Sicherheit, besonders in Zeiten von Unsicherheit.

 

Holt euch Unterstützung, wenn nötig.
Wenn es um schwere oder komplexe Krankheiten geht, können Psychologen oder Kindertherapeuten helfen, das Thema altersgerecht zu vermitteln.

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